Pflege Eulachtal

Ein Tag mit … dem Aktivierungs-Team in Elgg

Im Pflegezentrum Eulachtal in Elgg wird den Bewohnerinnen und Bewohnern einiges geboten. Dafür sorgt insbesondere das Team der Aktivierung mit einem vielfältigen Programmangebot – ein Augenschein.

Was bedeutet eigentlich «Aktivierungstherapie»? Und wie sieht das konkret aus, wenn «aktiviert» wird? Um das herauszufinden, nehme ich an einem Dienstagmorgen im Pflegezentrum Elgg am Wochenprogramm teil. Heute ist Rüsten und Gärtnern angesagt, angeleitet von Edith Bollmann und Andrina Frauenfelder. Ein weiterer Hitzetag steht bevor, aber das Zimmer der Aktivierungstherapie (kurz: AT) im Erdgeschoss vom Pflegezentrum sowie der beschattete Bereich auf der Terrasse sind angenehm kühl. Für den Nachmittag ist ein Kino-Film im Innenraum geplant – so können die Bewohnenden der Hitze ausweichen und trotzdem Unterhaltung und Geselligkeit geniessen.

Pünktlich um 9:45 Uhr treffen die ersten Bewohnenden ein. Edith fragt zu Beginn alle, wonach ihnen der Sinn stehe: Lieber Gemüse rüsten – heute Rüebli, Zwiebeln und Knoblauch – oder auf der Gartenterrasse mitarbeiten? Auf einem Service-Tablett reicht sie getrockneten Lavendel herum und fragt die Anwesenden, ob sie den Geruch erkennen. Eine geschickte Kombination von sensorischer und kognitiver Aktivierung. Geduldig wird jede einzelne Person in ihren Bedürfnissen abgeholt. Eile oder Hast sind hier fehl am Platz. Dies bestätigt auch Edith. Sie arbeitet seit über 20 Jahren in der Aktivierung: «Es geht darum, einen Gang zurückzuschalten. Oft sind wir einfach da, und warten, bis eine Antwort kommt. Das ist manchmal eine Herausforderung. Wir haben natürlich gewisse Ziele, etwa wenn wir Produkte wie Tee oder Konfi für den Verkauf in unserem kleinen ‹Lädeli› produzieren. Wir dürfen aber keinen Druck ausüben, wir passen uns dem Tempo unserer Bewohnenden an.»

Vielfältiges und freiwilliges Angebot

Die AT bietet ein vielfältiges Angebot, wie ein Blick auf das Wochenprogramm zeigt: Neben Gärtnern und Kochen finden Programmpunkte wie Spaziergänge, Spiele, Ausflüge, Denkspass oder kreatives Gestalten statt. Besonders beliebt sei momentan das Turnen: «Besonders beliebt sind seit jeher das Bewegungsangebot und das Singen – dort haben wir bis zu 20 Teilnehmende», so Bernadette Widmer, die Leiterin des Therapiebereichs. Zusätzlich zum regelmässig stattfindenden Wochenprogramm gibt es ein variables Monatsprogramm, das monatlich auf der Website publiziert und an verschiedenen Orten im Pflegezentrum ausgehängt wird. Angehörige dürfen beim Aktivierungsangebot auch teilnehmen. «Wir freuen uns immer sehr über Besuch.» Bei gewissen Anlässen sind zudem weitere externe Personen zugelassen.

«Das Angebot der Aktivierungstherapie ist freiwillig», erklärt mir Bernadette. «Beim Eintritt eines neuen Bewohners oder einer neuen Bewohnerin machen wir immer ein Eintrittsgespräch. Dabei versuchen wir, sie in ihren persönlichen Bedürfnissen abzuholen: Was ist bisher in ihrem Leben geschehen? Wo stehen sie aktuell?» Primär geht es in der AT darum, persönliche Interessen und Talente zu fördern, wobei die Freude am eigenen Tun an erster Stelle steht. «Nicht alle Bewohnenden sind gleich», so Bernadette. «Es gibt Menschen, die nicht gerne in Gruppen sind, weil sie das nicht können oder nicht wollen.» Die Angebote der AT würden deshalb regelmässig evaluiert. «Wir müssen immer wieder prüfen, was es braucht. Es geht um die Interessen der Bewohnenden, nicht um die von uns Mitarbeitenden», bringt es die Team-Leiterin auf den Punkt.

Momentan wird das Aktivierungsangebot primär am PZE angeboten. «Neben dem PZE sind wir in zwei weiteren Betrieben, dem Zentrum Sonne und dem Staub Kaiser Haus, jeweils einen Nachmittag pro Woche vor Ort», so Bernadette. «Es ist den einzelnen Betriebsleitungen überlassen, was und wie oft sie etwas anbieten möchten.» Aktuell besteht das Team aus sieben Mitarbeitenden, die Teilzeit arbeiten – allesamt Frauen.

Erinnerungen wecken

Die Bewohnenden sind inzwischen fleissig am Giessen und Rüsten. Sie dürfen die im Hochbeet gezüchteten Tomätli probieren und erfreuen sich an den lustig gewachsenen Kartoffelknollen. Edith nimmt eine ältere Bewohnerin bei der Hand und führt sie durch den Garten. Sie lässt sie die Pflanzen ertasten und daran riechen. Die Frau hat ein stark eingeschränktes Sehvermögen, deshalb werden andere Sinne angesprochen. Besonders Freude hat sie an den Bienen, denn wie sie erzählt, hat sie früher auf einem grossen Hof gelebt und selbst Bienen gezüchtet. «Genau das ist wunderbar – durch solche Kontakte werden Erinnerungen wiederbelebt und wir erfahren häufig spannende Geschichten oder Details aus dem früheren Leben der Bewohnerinnen und Bewohner. Es motiviert mich sehr, wenn sie uns ihr Vertrauen oder ein Lächeln schenken», so Edith.

Die Zeit vergeht im Flug und die 75 Minuten sind bereits vorbei. Einige Bewohnerinnen kündigen an, dass sie am Nachmittag beim Kinofilm wieder mit dabei sind. Wir räumen auf und schichten das gerüstete Gemüse auf einen Servierwagen. Denn die Rüstgruppe hat nicht zuletzt ein sehr praktisches Ziel: Das zubereitete Gemüse wird nun in der Küche des Restaurants Eulachtal zu feinen Mittagessen verarbeitet. En Guete!

Wie werde ich Aktivierungstherapeut/in?

Aktivierungsfachpersonen fördern die Autonomie der Patient/innen (oder in unserem Fall der Bewohner/innen). Durch fachkundige Begleitung verbessern sie deren körperliche, geistige, soziale und emotionale Fähigkeiten. In der Schweiz kann ein eidg. Diplom als Aktivierungsfachmann resp. Aktivierungsfachfrau HF absolviert werden. Die Ausbildung dauert drei Jahre und der eidg. anerkannte Bildungsgang kann an drei verschiedenen Institutionen absolviert werden: am Centro professionale sociosanitario medico-tecnico CPS in Lugano, am Zentrum für Gesundheitswesen ZAG in Winterthur oder am medi – Zentrum für medizinische Bildung in Bern, wo auch Bernadette Widmer unterrichtet. Für alle, die kein HF-Studium machen möchten, besteht die Möglichkeit einer Grundausbildung als «Fachperson Alltagsgestaltung und Aktivierung» an der medi Bern oder der LeA-Schule in Thun.

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